Maultaschen
sind eine Spezialität der schwäbischen Küche; es sind Taschen aus Nudelteig mit
einer Grundfüllung aus Brät, Zwiebeln und eingeweichten Brötchen oder auch rein
vegetarischer Füllung mit Käse und Spinat. In vielen Familien gibt es spezielle
Rezepte, die weitere Zutaten wie gekochten Schinken, Spinat, geräucherte
Schinkenwurst, Hackfleisch oder Bratenreste vorsehen. Die Schwäbischen
Maultaschen sind seit 2009 von der EU in ihrer Herkunftsbezeichnung
geschützt[1][2] und fallen in die Klasse „Geschützte geografische Angabe“. Das
bedeutet, mindestens eine der Produktionsstufen – Erzeugung, Verarbeitung oder
Herstellung – wird im Herkunftsgebiet durchlaufen.
Die
Zutaten für die Füllung werden nach Rezept vorbereitet und vermengt, sodass
sich eine glatte Masse bildet. Die Masse wird auf den Nudelteig aufgebracht und
verteilt. Je nach Vorliebe können Maultaschen gefaltet oder gerollt werden.
Etwas Wasser oder Eiweiß verbindet die Nudelteigenden besser und verhindert ein
Aufplatzen der Maultaschen. Mit einem Kochlöffelstiel werden einzelne
Maultaschen abgeteilt und dann abgeschnitten.
Gegart
werden die Maultaschen in siedendem Salzwasser oder Brühe. Von dort werden sie
abgeschöpft und zum Abtropfen gestellt.
Serviert
werden Maultaschen meist auf eine der folgenden Arten:
• In einer Brühe als Suppeneinlage.
• „Geschmälzt“, d. h. mit in gebräunter
Butter angebratenen Zwiebeln übergossen, dazu gibt es oft Kartoffelsalat.
• „Geröstet“, hier werden die
Maultaschen in Streifen geschnitten und anschließend in der Pfanne gebraten
(auch mit Zwiebeln und/oder Ei).
• Zur Entstehung dieses Gerichts gibt es
verschiedene Legenden.
• Eine besagt, dass auf diese Weise die
Zisterziensermönche des Klosters Maulbronn (daher auch der Name Maultasche) in
der Fastenzeit das Fleisch vor dem lieben Herrgott verstecken wollten, was im
Volksmund zum Beinamen „Herrgottsbscheißerle“ führte. Leicht abgewandelt
erzählt man sich, dass es Protestanten waren, die der ursprünglich nur mit
Kräutern und Spinat gefüllten Teigtasche heimlich Fleisch beifügten. Hierzu
passt die Tradition in schwäbischen Familien, dass „Maultaschen in der Brühe“
das typische Gericht am Gründonnerstag ist. Die ohnehin reichlich hergestellten
Maultaschen gibt es dann am nachfolgenden Karfreitag in einer der möglichen
anderen Zubereitungsarten.
• Außerdem findet sich, dass es sich bei den Maultaschen nur um eine schwäbische Kopie bekannter italienischer Teigwaren wie Ravioli und Tortellini handle. In der Umgebung von Maulbronn gibt es zahlreiche Waldenserorte. Waldenser waren protestantische Glaubensflüchtlinge aus Norditalien, die auch den Maulbeerbaum, Luzerne, Anbau von Tabak und 1710 die Kartoffel in Süddeutschland einführten.[3][4] Damit könnten Maultaschen italienischen Ursprungs sein. Auch die Füllung aus Spinat weist auf den italienischen Ursprung hin.
maulbronn
• Das Allgemeine Küchenlexicon für
Frauenzimmer[5] nennt im Jahr 1794 mehrere Rezepte für Maultaschen. Dabei
handelt es sich jedoch um Süßspeisen.
• Unabhängig von der Entstehung galten
Maultaschen früher als Gericht der armen Leute, da Fleisch-, Brot- und
Gemüsereste in der Füllung verarbeitet werden konnten und so eine weitere
Mahlzeit boten.
Ein
wertvoller Fund
Es
war gegen Ende der Fastenzeit, als der Laienbruder Jakob auf dem Heimweg vom
Reisigsammeln unverhofft in den Besitz eines schönen Stücks Fleisch gelangte:
Ein flüchtender Dieb hatte seinen Sack mit Beute fallen lassen, Jakob direkt
vor die Füße. Zurück im Kloster entdeckte er den schmackhaften Inhalt. Während
der Fastenzeit war es den Mönchen verboten, Fleisch zu essen, doch Jakob
brachte es nicht übers Herz, den wertvollen Fund wegzuwerfen. Aber wie das gute
Stück vor dem Verderben bewahren?
Gut
verpackt
Nachdem er mehrere Tage gegrübelt hatte, kam ihm beim Zubereiten des Gründonnerstagsmahles die rettende Idee: Er hackte das Fleisch klein und mischte es unter das Gemüse. Weil ihn dennoch das schlechte Gewissen plagte, versteckte er das Ganze in kleinen Taschen aus Nudelteig. So konnte er das Fleisch vor den Augen Gottes und seiner Mitbrüder verbergen – und servierte das herzhafte Mahl als Fastenspeise. Im Volksmund werden die Maultaschen daher auch „Herrgottsb‘scheißerle“ genannt.
hausgemachte maultaschen
Man
liest so oft: Die Maultasche sei die Königin der schwäbischen Küche. Das Beste,
was der Süden kulinarisch hervorgebracht habe. Die schwäbische Maultasche ist
demnach ein Premiumprodukt? Schön wär’s: Denn die Realität auf dem Teller ist
meist trist, ja erschütternd. Mich ärgert kolossal, welch mittelmäßige,
teilweise gar unterirdische Ware als „schwäbische Maultasche“ verkauft werden
darf.
Die
erfolgreiche überregionale Kommerzialisierung von Maultaschen-Mittelmaß steht
im krassen Widerspruch zu der so hochgelobten Delikatesse.
Mir
liegt die Pflege der schwäbischen Maultaschenkultur am Herzen und ich will
meinen Teil dazu beitragen, dass immer mehr Menschen gute Maultaschen schätzen
lernen. Deshalb blogge ich seit 2014 über Maultaschen und schwäbische
Genusskultur.
Ich
fühle mich dabei seelenverwandt mit Slow Food und anderen Akteuren, die
regionale „Diamant“-Gerichte hegen und pflegen, die mit der nötigen
Kompromisslosigkeit und Engagement unvergleichliche Spezialitäten über die
eigene Dialektgrenze hinweg promoten – und damit unser aller Leben bereichern.
Die
Zutaten
Natürlich
gibt es tausende Familienrezepte: Aber im Grunde wissen wir doch, was in eine
klassische schwäbische Maultasche gehört. Viel Fleisch (Hack und Brät), viel
Spinat, Weißbrot, Eier, Zwiebeln, Gewürze. Manche variieren mit Speck,
Schweinebauch, Petersilie, Lauch. Je nach Region und Gusto.
Diesen
Zutatenmix für feine, traditionell hergestellte, schwäbische Maultaschen kann
man nicht verbessern. Denn in dieser Jahrhunderte alten, populären Einfachheit
liegt das Geheimnis des unvergleichlichen, unverfälschten Genusserlebnisses.
Ehrliche,
traditionelle, schwäbische Maultaschen sind nicht bemüht-spektakulär, müssen
nicht provozieren und schon gar nicht experimentell sein. Sie müssen schmecken
wie bei Muttern. Oder wie bei Oma.
Maultaschen
ohne Fleisch sind keine Maultaschen.
Das
Problem mit vielen Maultaschen von Metzgereien: Die übertreiben es mit dem
Fleisch. Es fehlt ihnen die Balance und Lockerheit.
Das
Problem mit vielen Supermarkt-Maultaschen: Sie enthalten meist zu wenig
Fleisch, manche sogar unter 20%. Denn Fleisch ist teuer im Vergleich zu Brot,
Zwiebeln oder Spinat. Rindfleisch wird aus demselben Grund, wenn überhaupt, nur
in homöopathischen Dosen beigemischt.
Andere
tricksen mit dickem Teig. Denn Teig ist billiger als Füllung. Es gibt
Maultaschen, bei denen macht die Füllung gerade mal 55% aus – 45% ist Teig.
Die
Füllung macht die Edel-Maultasche, nicht der Teig. Sie entscheidet über Güte
und Finesse des Gaumenschmeichlers. Nur wenn jede einzelne Zutat von höchster
Qualität ist und die Mischung stimmt, entsteht ein Geschmackserlebnis der besonderen
Art.
Entscheidend
ist, die einzelnen Zutaten sanft miteinander zu verkneten und zu mischen, bis
eine locker-leichte Farce entsteht, bei der man die verschiedenen Inhaltsstoffe
noch erkennen und herausschmecken kann. Nur so entsteht beim Garen eine zarte,
saftige Maultasche mit optimaler Konsistenz. Und Konsistenz ist ein extrem
wichtiger Güte- und Geschmacksfaktor.
Viele
Hersteller zerhacken, zermanschen und mixen die Füllung jedoch viel zu
kleinteilig, damit sie sich maschinell verarbeiten lässt. Man sieht solchen
Füllungen nicht mehr an, was im Einzelnen drinsteckt.
Maultaschen
sind rechteckig. Nicht rund und nicht dreieckig. Sie dürfen gerollt oder
gewickelt und an den Seiten offe